Sitzen ist ungesund – was wirklich hilft

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Wir als Einrichtungsmagazin hofieren das Sitzen. Klar, einige unserer Lieblingsdesigns sind Stühle. Breuers Freischwinger, Rietvelds ZigZag oder Cobusiers LC1 Basculant sind zeitlose Kunstwerke, auf denen man sich – wenn es unbedingt sein muss – auch niederlassen kann. Der Stuhl ist das eine, stundenlanges Sitzen das andere. Die Inaktivitätsforschung hält uns vor Augen, welche ungeahnten Folgen stundenlanges Sitzen hat. Sitzen ist ungesund. Für viele ist nicht Sitzen allerdings keine Option. Zu sehr sind wir in Tätigkeiten und Gewohnheiten verhaftet, die in ruhiger sitzender Position ausgeführt werden. Ist Sitzen die neue Volkskrankheit? Wir verraten, welche Optionen du hast, dem trägen Unheil zu entkommen.

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Sitzen ist ungesund  – stimmt das?

Warum ist Sitzen schädlich? Dieser Frage widmet sich seit einiger Zeit ein ganzer Wissenschaftszweig: die Inaktivitätsforschung. Die Beantwortung der Frage ist komplex und beinhaltet biomechanische Faktoren genauso wie psychologische. Gerade bei der Arbeit steht das Sitzen dem Aktivitätsniveau entgegen. Wir assoziieren Sitzen mit Trägheit, mit einer Absenz an Momentum. Wer schlechte Nachrichten empfängt, resigniert oder erschöpft ist, lässt sich nieder. Sitzen bedeutet Passivität, die wiederum Lethargie auslöst, welche wiederum erhöhte empfundene Belastung zur Folge hat aus der Appetitstörungen und schließlich Depression erwachsen. Das mag zunächst übertrieben klingen und ist vielleicht etwas überspitzt; dennoch sind solche Szenarien in ihrer Essenz nicht unrealistisch. Kann die Ergonomie unserer Bürostühle uns retten?

Ist der richtige Stuhl die Rettung?

Die Frage lässt sich wahrscheinlich nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten. Ja, Stühle können uns helfen, das Skelett so zu belasten, dass die erstinstanzlichen Schäden, also die der Wirbelsäule so gering ausfallen wie möglich. Das niedrige Aktivitätslevel und die psychologische Dimension des Sitzens bleiben davon jedoch unberührt.

Einen interessanten Ansatz bieten Stühle wie aus dem Hause Dietz Office des Industriedesigners Stefan Dietz. Seine Antwort auf die Problematik sind Stühle, die, zwar gemütlich sind, den Körper aber dennoch fordern. Wir werden angeregt, immer anders zu sitzen, mit der Sitzhaltung zu spielen, das Gewicht zu verlagern und Ausgleichsbewegungen vorzunehmen. Muskeln werden gebraucht, der Körper aktiviert. Aktive Statik, die die Passivität verringern soll. Es ist das Medizinball-Prinzip im Stuhlgewand. Stühle wie der D1 sind zwar keine reine Kosmetik, wirklich beikommen können sie der Problematik jedoch nicht.

Was wirklich hilft

Die so einfache wie unbefriedigende Antwort lautet: Nicht sitzen! Was wirklich hilft, ist eine grundlegende Verhaltensänderung. Arbeiten muss nicht immer als Salzsäule am Tisch stattfinden. Moderne Technik hilft uns dabei vieles von dem, was wir im Sitzen machen, auch in Bewegung zu erledigen. Wer im Homeoffice ist, kann Calls im Laufen erledigen. Memos kannst du von Sprachassistenzprogrammen transkribieren lassen. Und all jenes, was Stillhalten erfordert, lässt sich im Stehen meist sogar besser als im Sitzen abarbeiten. Vielleicht hilft dir die Bewegung sogar, deine kognitive Leistungsfähigkeit und deine Motivation zu steigern. Aus Motion wird Flow. Geruht wird später. Im Liegen.

Quellen: diezoffice.com, sz-magazin.sueddeutsche.de



LETZTES UPDATE: 28.September 2021 von