Aussortieren und Aufräumen – Marie-Kondo ist nicht alles

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Spätestens seit Marie Kondo das Aufräumen zur Selbst- und Lebensoptimierungsmethode erhoben hat, schießen die Aufräumartikel nur so aus dem Boden. Als Einrichtungsmagazin können wir den Trend natürlich nicht unkommentiert lassen. Denn schlussendlich bestimmt auch das Aufräumen und Aussortieren darüber, welche Gegenstände sind an welcher Stelle befinden und hat somit einen erheblichen Einfluss auf das Aussehen und die Wohnlichkeit deiner Wohnung. Aber was hat Aufräumen wirklich mit dir zu tun und ist die Marie-Kondo-Methode, auch KonMari-Methode genannt, tatsächlich der richtige Weg? Und gibt es Alternativen? Wir haben die Antworten.

 

Warum Aufräumen und Aussortieren derzeit so beliebt ist

Woher kommt der neue Sex-Appeal des Aufräumens? Noch in nicht allzu ferner Vergangenheit vor allem von der jüngeren Generation als große Spießigkeit abgelehnt, hat sich Aufräumen zur neuen Haussportart entwickelt. Federführend daran beteiligt ist zweifelsohne Marie Kondo. Ihre einem Selbsthilferatgeber ähnelnden Bücher machen aus einer zwanghaften Lästigkeit eine selbstachtsame Notwendigkeit.

Geschickt verstand sie es, die reine Tätigkeit mit dem Subjekt zu verknüpfen und profitierte von der zu dieser Zeit aufkommenenden Achtsamkeitswelle und dem nachfolgenden Selbstoptimierungswahn. Plötzlich war Aufräumen nicht mehr etwas, das gemacht werden musste, sondern du warst dein Aufräumen. Marie Kondo verkaufte das Aufräumen als Lebensphilosophie. „Räum‘ dich glücklich und erfolgreich“ ist der Reiz, der dahinter stecken dürfte und ihrem Konzept zu seiner Popularität verhalf.

Aussortieren nach Methode – warum?

Aber warum brauchen wir überhaupt Hilfe beim Aufräumen? Aufräumen hat einen symbolischen Charakter, der sich durchaus auf die Gemütlichkeit der Wohnung und auf unser Wohlbefinden auswirken kann. Dabei wirkt nicht allein die Aufgeräumtheit, sondern auch die Tätigkeit des Aufräumens. Das Leben sortieren, indem wir die vermeintlich kleinen Entscheidungen des Lebens des Aussortierens treffen, manchmal auch stellvertretend für die Lebensentscheidungen, die wir nicht treffen oder noch aufschieben, kann Lust bereiten und durchaus profitabel sein. Das Kleine stößt das Große an. Insofern ist die Subjektbezogenheit der Marie-Kondo-Methode durchaus valide.

Warum die Marie-Kondo-Methode nicht zu empfehlen ist

Dennoch weißt die Marie-Kondo-Methode unserer Meinung nach axiomatisch einige Mängel auf. Dem Aufräumen ist immer ein System, eine gewisse Methodik inhärent, egal wie lustlos oder desorganisiert wir zur Sache gehen. Das wichtige oder das psychisch profitable am Aufräumen stellt sich aber vor allem durch eine Selbstwirksamkeitserfahrung ein. Eine von außen adaptierte Methode, die du mechanisch anwendest, untergräbt diese Erfahrung. Es geht nicht nur darum, was du spürst, sondern vor allem darum, dass du deine Entscheidungen auf deine Art, nach deinen Kriterien triffst. Nicht, weil diese zwingend die Besseren, sondern weil sie deine sind.

Problematisch ist daher vor allem auch die Geschlossenheit des Regelwerks. Es gibt einen festen Ablauf, eine Reihenfolge, von der nicht abgewichen werden soll. Selbstwirksamkeit entsteht da, wo du die Freiheit und dadurch Kontrolle hast, eine Regel nicht einzuhalten, oder gar Chaos zu verursachen.

Es gibt ein Zuviel an Achtsamkeit

Als Zweites lässt sich die überproportionale Achtsamkeitskomponente monieren. Aufräumen und Aussortieren müssen nicht immer unter Miteinbezug eines emotionalen Reflexionsprozesses stattfinden. Tatsächlich vermuten wir, dass ein sich ständig wiederholendes In-Sich-Gehen bei Angelegenheiten geringer Tragweite den Fokus zu weit ins Innen verrückt. Nicht alles muss ständig auf dich abgestimmt und mit dir Einklang sein. Die Signalwirkung besonderer Selbstfürsorge im Kleinen, die sich schleichend fortsetzt, mag für manche Krankheitsbilder indiziert sein. Eine überdosierte Konzentration auf das Ich, kann sich allerdings auch abträglich auf unser Vermögen auswirken, Dinge auszublenden, nicht jedes Detail wichtig zu nehmen und uns offen für das zu halten, was nicht instinktiv Freude in uns auslöst. Aufräumen darf ruhig auch banal sein. Es kann und sollte nicht immer gleich das ganze Leben mitsortiert werden. Manchmal ist Aufräumen eben nur Aufräumen.

Wir plädieren daher für eine Methode des Aufräumens, bei der das Aussortieren nach deinen Regeln funktioniert. Und es muss auch nicht immer gleich funktionieren. Dass du aufräumst ist Struktur genug. Neue passendere Kategorisierungen könnten sich einstellen, verschiedene Phasen oder Stimmungen nach neuen Arten der Entscheidungsfindung verlangen. Sei dein eigener Entscheidungsratgeber.



LETZTES UPDATE: 25.August 2021 von